Eine neue Analyse zeigt, dass für Frauen über 45 Jahre das Aufstocken ihrer Arbeitszeit oder die Rückkehr in den Job nach einer Pause häufig finanzielle Nachteile mit sich bringt. Im Mittelpunkt steht das Ehegattensplitting, das aufgrund seiner steuerlichen Struktur vielfach Hemmnisse im Arbeitsmarkt für Frauen schafft.
Wie das Ehegattensplitting Frauen über 45 bei Mehrarbeit ausbremst
Das Steuerrecht in Deutschland sieht vor, dass Ehepaare ihr Einkommen gemeinsam versteuern können – das sogenannte Ehegattensplitting. Für Paare mit einem Hauptverdiener und einem deutlich geringer verdienenden Partner bringt dies zunächst finanzielle Vorteile. Sobald jedoch die Frau, insbesondere in der Altersgruppe ab 45 Jahren, ihre Arbeitszeit erhöht, schmilzt dieser Splittingvorteil rapide. Das führt dazu, dass von ihrem Mehrverdienst im Prinzip kaum netto etwas übrig bleibt. Die Folge: Die Motivation für eine höhere Erwerbsbeteiligung sinkt deutlich.
Die Auswirkungen auf Familienfinanzen und den Arbeitsmarkt
Diese Einkommensanalyse zeigt, dass etwa die Hälfte der Frauen, die in Teilzeit arbeiten, eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit finanziell nicht lohnt. Besonders bei Mehrarbeit ab 30 Stunden ist das Ehegattensplitting ein erheblicher Bremsklotz. Durch dieses Steuermodell schrumpfen ambitionsgetriebene Einkommenserhöhungen effektiv zusammen, was eine direkte Auswirkung auf die Familienfinanzen hat.
Reformvorschläge: Realsplitting als Lösung für die Teilzeitfalle
Inzwischen kursieren ernsthafte Reformideen, um die negativen Effekte des aktuellen Splittings zu mildern. Besonders das Realsplitting wird als eine attraktive Alternative gehandelt. Dabei erhalten Ehepartner einen übertragbaren Grundfreibetrag ähnlich dem Unterhaltsrecht, was die Steuerlast auf zusätzliches Arbeitseinkommen senkt. Ein solcher Schritt könnte nicht nur die finanzielle Situation der betroffenen Frauen verbessern, sondern auch den Arbeitsmarkt entlasten, indem bis zu 175.000 neue Vollzeitstellen geschaffen und Minijobs durch sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse ersetzt werden könnten.
Politische Diskussionen und Zukunftsperspektiven
Obwohl die Bundesregierung seit Jahren darüber diskutiert, bleibt das Ehegattensplitting ein heißes Eisen. Die OECD empfiehlt sogar eine Abschaffung zugunsten modifizierter Modelle. Bisher jedoch stemmt sich besonders der frühere Finanzminister gegen grundlegende Veränderungen. Die Zukunft des Ehegattensplittings in Deutschland bleibt somit offen, während die betroffenen Frauen weiterhin mit finanziellen Nachteilen konfrontiert sind.