Ganztagsbetreuung im Westen: Ein dringender Ruf nach mehr Hortplätzen für Grundschulkinder
In Deutschland zeichnet sich bis 2029 eine deutliche Lücke in der schulischen Nachmittagsbetreuung ab: Rund 150.000 Plätze fehlen im Westen des Landes, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Während Ostdeutschland und Hamburg ihre Betreuungswünsche weitgehend abdecken können, stehen Eltern und Schulen im Westen vor einer Herausforderung, die dringender Lösungen bedarf.
Wo drückt der Schuh am meisten? Ganztagsbetreuung und Hortplätze im Ländervergleich
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung 2024 analysiert und darauf basierende Prognosen für die kommenden Jahre erstellt. Besonders in Bayern meldeten Eltern im vergangenen Jahr einen vergleichsweise niedrigen Betreuungsbedarf – lediglich 43 Prozent der Grundschulkinder benötigen laut Umfrage dort einen Hortplatz. Im Gegensatz dazu erreichen Bundesländer wie Sachsen, Thüringen oder Brandenburg Betreuungsquoten von bis zu über 80 Prozent. Diese regionalen Differenzen werfen interessante Fragen auf: Liegt es an der Attraktivität der Angebote, den Elternbeiträgen oder anderen Hemmnissen?
Betreuungsbedarf und Rechtsanspruch: Der Countdown läuft
Seit 2021 gilt der bundesweite Rechtsanspruch auf mindestens acht Stunden Ganztagsbetreuung für Kinder der ersten vier Grundschuljahre, ab Herbst 2026 zunächst für Erstklässler. Die Herausforderung ist klar: Ohne eine massive Aufstockung der Hortplätze wird dieser Anspruch in den westlichen Bundesländern kaum zu erfüllen sein.
Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen aktuell etwa 45.300 und in Bayern 42.300 Betreuungsplätze, um die Anforderungen vollständig zu decken. Die Dringlichkeit wird durch Rückmeldungen von Schulleitungen unterstrichen – gut ein Viertel befürchtet, dass die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung nicht gelingen wird.
Ganztagsbetreuung: Mehr als nur Zeitmanagement für Familien
Ganztagsbetreuung ist nicht nur ein logistisches Instrument für berufstätige Eltern, sondern bildet auch eine entscheidende Grundlage für die Entwicklung und Teilhabe der Kinder. Laut aktueller Studien fördert eine qualitativ hochwertige Nachmittagsbetreuung die sozialen Fähigkeiten, schulischen Leistungen und das Wohlbefinden der Grundschulkinder. Daher raten Experten, die bestehenden Lücken zu schließen und die Angebote sowohl qualitativ als auch quantitativ auszubauen.
Die Studie schlägt vor, Länder mit niedrigen Betreuungsquoten sollten ihre Angebote überprüfen, vor allem die finanzielle Belastung durch Elternbeiträge könnte eine Hürde darstellen. Es geht also um mehr als bloße Platzkapazität – die Attraktivität und Zugänglichkeit der Ganztagsbetreuung müssen für Familien spürbar verbessert werden.